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Dawn Of Winter - The Peaceful Dead

Geschrieben von Blackwarrior am Mittwoch 4. Februar 2009
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  1. The Music Of Despair
  2. A Lovelorn Traveller
  3. Mourner
  4. Holy Blood
  5. The Oath Of The Witch
  6. Throne Of Isolation
  7. Burn Another Sinner
  8. All The Gods You Worship
  9. Anthem Of Doom
  10. The Peaceful Dead 
Die Ludwigsburger Doom Metal Band, ja man könnte sie eigentlich schon fast als Legenden bezeichnen, da die Band seit 1990 besteht, veröffentlichen, passend zur Jahreszeit (Dawn of Winter = Dämmerung des Winters) ihr insgesamt zweites Full-Length-Release. Dazwischen wurde natürlich eine ganze Reihe anderer Veröffentlichungen gemacht, wobei die Band teilweise mit einzelnen geplanten Stücken nicht ganz zufrieden war und so nur Bruchstücke von Alben veröffentlichte. Die letzte LP liegt jedoch auch schon einige Jahre zurück, es ist dies "Doomcult Performance" aus dem Jahre 2003.
 
Der Opener dieses Magnum Opus ist "The Music Of Despair" und schon mit den ersten Riffs wird klar, dass man es hier mit Meistern des Fachs zu tun hat. Schwere, schleppende Klänge werden den Gitarren entlockt und der Gesang setzt, klar und in der Tenor-Lage ein und übernimmt die in die länge gezogenen Töne. Auffällige ist, dass viele Halbtöne verwendet werden, dass heisst die Akkorde nicht rein klingen. Es ist jedoch nicht weiter verwunderlich, dass im Doom Metal Molltonleitern bzw. -akkorde verwendet werden, da sich damit gut eine düstere Stimmung erzeugen lässt. "A lovelorn Traveller" hat mich mit einem äusserst eingänglichen Refrain beeindruckt. Ansonsten erscheint das Stück ziemlich konsistent mit dem ersten Track, d.h. behält den Stil des vorhergehenden. Bei "Mourner" wird das Tempo zu Beginn erstmals merklich erhöht. Die Gitarren legen etwas schneller vor und der Gesang hält mit. Der Refrain allerdings wird wieder langsam gesungen, damit wird wohl das "Mournen" (zu deutsch: Klagen) zum Ausdruck gebracht. Stilistisch ein interessantes Mittel, wenn man den Titel des Songs bedenkt. In der Mitte des Songs wird allerdings das Tempo nochmals erhöht und man könnte schon fast von klassischem Metal oder Thrash Metal sprechen, bis der Refrain nochmals einsetzt und schlagartig den Song beendet.
Mit "Holy Blood", werden die Ludwigsburger erstmals deutlich christlich. Der Song handelt vom Tod Jesu am Kreuz und wird in äusserst düsterer Manier vorgetragen. Jedoch darf dieser christlich-geprägte Titel nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Tat und Wahrheit kritische Fragen gestellt werden und eigentlich das gesamte Christentum (bzw. das Neue Testament) hinterfragt wird. Durch die langsame Melodieführung wirkt der Song traurig. Ich lasse hier die Interpretation dieser Tatsachen mal aussen vor und überlasse Sie dem geneigten Hörer. Der nächste Song "Oath Of The Whitch" ist vom Vokabular her ebenfalls säkulär angehaucht. Mir persönlich gefällt der Refrain, welcher etwas härter daher kommt mit geflüssterten, geschrienen und growlenden "Zwischenrufen". "Throne Of Isolation" ist als Ballade konzipiert, mit langsamen, klaren Gitarren und einer dominanten Stimme. Dies wird also im Verlaufe des Songs stellenweise aufgehoben und verzerrte Gitarren treiben eine deutlich aggresivere Stimme vorwärts. Hier wird mir erstmals bewusst über welches imposante Spektrum Gerrit P. Mutz (Vocals) verfügt und dies äusserst präzise einsetzt.
Das letzte Stück auf dem Album ist gleichzeitig auch der Titel desselben: "The Peaceful Dead". Ein weiteres Opus des Dooms, was die Band in diesem Song bietet. Langes Intro, Moll-Klänge und eine schleppende Melodieführung mit harten Akzenten durch die Drums und den Bass. Der Gesang legt sich klar und heller darüber und handelt im Wesentlichen über das Sterben, wie schon der Titel verrät.
 
Insgesamt gefällt mir die Scheibe, da sie viele kleine Überraschungen bereithält, welche nicht direkt beim ersten Hören auffallen, sondern erst mit der Zeit. Fein säuberlich ist die Band wohl bei der Planung vorgegangen. Der Gesamteindruck ist makellos und ein Song fügt sich in den anderen. Von diesem Aspekt her ein gelungenes Studioalbum.

Auf der anderen Seite wirken die Texte, durch die kritischen Fragen, aber auch durch die säkuläre Wortwahl, teilweise verwirrend und zu komplex. Das Album ist von diesem Aspekt gesehen, sehr vielschichtig aufgebaut, aber dadurch auch keine leichte Kost. Aufgrund der Titelangaben der Songs findet man eine gewisse Interpretation, diese ist aber immer, ob absichtlich oder nicht, dem Hörer überlassen und man kriegt von der Band, im Gegensatz zu anderen Alben, keine Leitplanken gesetzt. Übrigens findet sich der säkuläre Beigeschmack ebenfalls auf dem Cover, wo ein Kreuz im Hintergrund zu sehen ist, während im Vordergund der eine vermummte Gestalt (der Tod ?) eine offensichtlich leblose Frau mit zum Gebet gefalteten Händen an den Schultern wegzieht (oder auch nur stützt). 

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